In Frankreich ließen sich knapp sieben Millionen Zuschauer von
dem zeitlosen Thema Kindheit verzaubern. Die rührende Geschichte eines gutherzigen Lehrers aus dem Jahre 1949, der schwierige Kinder durch die Kraft der Musik nicht nur diszipliniert, sondern zu sensiblen Schülern macht, spricht die Gefühle an und sollte auch in Deutschland sein Publikum erreichen.
Wenn es um Pädagogik geht, besteht leicht die Gefahr, belehren zu wollen. Dass es auch anders geht, bewies schon Nicolas Philiberts preisgekrönte Doku 'Sein und Haben'. Auch Christophe Barratiers Plädoyer für eine menschliche Schule und eine unbeschwerte Kindheit (nach der Vorlage von Jean Drévilles Film 'Der Nachtigallenkäfig' aus dem Jahre 1945) strahlt diese dem französischen Film typische Leichtigkeit trotz aller Ernsthaftigkeit aus. Dabei spart er nicht mit Härte, wenn er die entwürdigenden Zustände in einem Internat schildert. In dieser Trutzburg haben die schwer erziehbaren Jungen nichts zu lachen. Der Direktor ist ein Betonkopf, der seine Erziehung als 'Aktion, Reaktion' beschreibt, das heißt bei schlechtem Benehmen und Ungehorsam hagelt's harte Strafen, Einzelkarzer inklusive. Der neue Lehrer Clément Mathieu hat da ganz andere Vorstellungen von Pädagogik. Erst einmal stößt er auf taube Ohren, aber als er einen Chor gründet, gewinnt er langsam das Vertrauen der sonst so widerspenstigen Zöglinge, die die Lust an der Kunst entdecken, ein Gesangs-Talent besucht sogar später das Konservatorium und startet eine erfolgreiche Karriere.
Der Film widmet sich dem universellen Sujet Jungsein mit all der Verzweiflung und Verlassenheit, Sehnsucht nach Freiheit und dem unbändigen Hunger nach Leben, einem Stückchen Glück - koste es, was es wolle, auch wenn Umstände und Logik dagegen sind. Bis auf zwei Ausnahmen waren die Kinderdarsteller Laien. Wenn der nach einer glimpflich abgelaufenen Feuerkatastrophe fristlos entlassene Mathieu seine Wirkungsstätte enttäuscht verlässt und dann durch seine Schüler ein herzliches Adieu bekommt, das weh tut und gleichzeitig den Schmerz des Abschieds lindert, ist der Griff zum Taschentuch nicht weit. Die Welt verändert sich eben in kleinen, nicht in großen Schritten. Bewusst entschied sich Barratier für das Jahr 1949, da nach dem Weltkrieg sogenannte Besserungsanstalten eingerichtet wurden, die nicht selten für lebenslange Traumata sorgten. Der Handlungsverlauf überrascht zwar nicht sonderlich und Barratier verzichtet auf sozialen Background, konzentriert sich auf bestimmte Situationen. Dabei psychologisiert er nicht herum, sondern zeigt junge Menschen zwischen Rebellion und Anpassung. Die Form mag konventionell, vielleicht sogar nostalgisch sein, aber wenn er aus der Perspektive der Kinder vom Zauber der Musik erzählt, der den Alltag erträglich macht, vom Mut zur Gegenwehr und den kleinen Kniffen zum Überleben, dann geht das einfach zu Herzen. Das Leben und nichts anderes. mk.
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Jahr:
2004
Verlag:
München, Constantin Film Prod. GmbH
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Systematik:
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Altersfreigabe:
6
ISBN:
B-00-07L7JE-W
Beschreibung:
1 DVD (ca 93 Min.)
Fußnote:
FSK ab 6